FISCHE UND ANDERE FABELWESEN – JUTTA DUSCHL

STADTGALERIE SÄULENHALLE RATHAUS SALZBURG

18. Oktober 2017 – 10. November 2017

Am 18. Oktober 2017 wurde in der Stadtgalerie Säulenhalle Rathaus die Ausstellung „FISCHE UND ANDERE FABELWESEN“ von Jutta Duschl eröffnet. Die Begrüßung der Ausstellungsbesucher erfolgte seitens der Stadt Salzburg durch Gabriele Wagner, die Einführung zu den ausgestellten Werken durch Monika Hartl-Scharinger. (siehe Foto)

von links: Gabriele Wagner, Monika Hartl-Scharinger, Jutta Duschl

Zur Eröffnung wurden unterschiedliche Aspekte zum Werk der Künstlerin aufgegriffen, denn Jutta Duschl ist eine sehr vielfältige Künstlerin, sei es in der Wahl des Sujets wie auch in der Wahl der ausgeführten Technik. Die Kunstrichtung des Surrealismus und die Kunstepochen der Renaissance werden dabei in Anknüpfungspunkten den Werken der Künstlerin gegenübergestellt werden.

Als Merkmale des Surrealismus kann unter anderem genannt werden, dass die Motive der Bilder sehr genau und präzise gezeichnet sind und sich diese in klaren und voneinander abgegrenzten Formen und Farben präsentieren. Zum anderen scheinen die Motive oft nicht zusammen zu passen und sie stehen auf den ersten Blick widernatürlich zueinander, wie im Bild „Im Norden von Grünland“, welches auf der Einladungskarte der Künstlerin zu finden ist. Zu ihrem Bild „Schwieriger Fall“ will das Zitat des großen Surrealisten Rene Magritte genannt sein, welcher sagte: „Jedes Ding, das wir sehen, verdeckt ein anderes, und wir würden sehr gerne sehen, was uns das Sichtbare versteckt…“

Es sollen jedoch nicht nur die surrealen Aspekte in ihrer Arbeiten aufgegriffen werden, sondern auch Begriffe der Renaissance, denn es begegnen sich in ihren Arbeiten die Welt der surrealen Moderne mit Sujets der mystisch-figürlichen Renaissance.[1] Das Formstreben kann als wesensbestimmender Grundzug der Epoche der Renaissance vor allem im italienischen Raum genannt werden. Es erscheinen Mensch, Staat, Politik und Gesellschaft zum ersten Male als bewusst erstrebtes und gefordertes „Kunstwerk“ als wahre, gesetzliche schöne Gestalt,[2] auch ist es das Zeitalter des hervorbrechenden Machtwillens des Individuellen. Die Entwicklung der Idee der Renaissance ist von Raffael in der „Schule von Athen“ beispielhaft dargestellt worden. Sie ist auch das Zeitalter der Entdecker, der Reisen in ferne unbekannte Meere, so entdeckten Genueser die Kanarischen Inseln und Columbus ging als einer der größten Entdecker dieser Zeit hervor.[3]

Im Norden von Gründland – Jutta Duschl

Mit der Erkundung neuer Kontinente und dem höheren Interesse der Beobachtung der Natur wuchs auch das naturgeschichtliche Interesse. Fürste und reiche Privatleute befassten sich mit der Anlage ihrer Lustgärten und auf das Sammeln möglichst vieler Pflanzen und Spezies.[4] Dieser Entdeckergeist oder auch die Person des Beobachters finden wir in einigen Werken der Künstlerin wieder, hier wollen die Werke „Beobachtung“ und „Der Naturforscher“ genannt werden.

Tiere und Fabelwesen dienen gern als gewähltes Sujet ihrer Arbeiten. Ende des 15. Jahrhunderts gab es an mehreren Fürstenhöfen wahre Menagerien, und zur Pracht eines Herrn, so Matarazzo,[5] gehörten Pferde, Hunde, Vögel und andere fremde Tiere. Das Werk „Das geteilte Pferd“ von Jutta Duschl lässt uns daran erinnern, dass Francesco Gonzaga als erster ein Pferdegestüt im Mantuanischen Gebiet pflegte.[6]

Die Herrschaften der Gonzaga von Mantua und der Montefeltro von Urbino zählten zu den besonders wohlgeordneten und tüchtigsten. Dies führt in der Reise durch die Renaissance zu den Montefeltro von Urbino. Die Porträts „Der Herzog“ und die „Herzogin“ versprühen eine Nähe zum Diptychon des Montefeltro und seiner Gattin Sforza, eine der bedeutendsten Gemälde von Piero della Francesca. Wie della Francesca zeigt uns die Künstlerin ihre Fähigkeit, in ihren Werken winzige Details in ihren Landschaftskompositionen zu malen.

Auch die Gestalt der Landschaft wird in der Renaissance nun als etwas mehr oder weniger Schönes erstmals wahrgenommen. Feste Beweise für eine tiefere Wirkung großer landschaftlicher Anblicke liefern uns Zeilen von Petrarca zum sanft bewegten Meer und zum Sturm im Wald. Petrarca erkannte die Bedeutung der Landschaft für die erregbare Seele.[7] Landschaften und Ausblicke auf Landschaft wiederholen sich im Oevre der Künstlerin, wie in ihrer Arbeit „Schöner Ausblick“ oder „Die Ankunft im Sandmeer“. Petrarca erkennt auch die Schönheit von Felsbildungen und deren malerische Bedeutung,[8] die Künstlerin lässt die Felsbildungen in violettem Licht erstrahlen, verleiht so dem Werk zudem eine surreale Note. Mit dem 15. Jahrhundert rauben dann die großen Meister der flandrischen Schule der Natur ihr Bild. Erinnert sei hier an „Die Madonna des Kanzler Rolin“ von Van Eyck, welcher die Hauptdarsteller in den Vordergrund seines Bildes rückt, mit Ausblick auf eine Landschaft durch die sich ein Fluss schlängelt.[9] Die Künstlerin Jutta Duschl will jedoch keine reale Widergabe der Landschaft und so wählt sie bei „Schöner Ausblick“ einen anderen Sichtpunkt und setzt die Flusslandschaft kräftig in den Bildmittelpunkt, der Betrachter des Naturspektakels wird klein in den Bildvordergrund gestellt. Sie bringt Dinge und Gegenstände zueinander, welche man vordergründig nicht in Zusammenhang stellen würde.

Die Ankunft im Sandmeer

Diese Ausführungen zur Renaissance und zum Surrealismus liefern wichtige Anknüpfungspunkte zu den Werken der Künstlerin. Jutta Duschl verwendet eine große Bandbreite an Sujets in ihren Werken, doch es sei ein wichtiger verknüpfender Pol zu nennen, allen Werken liegt eine Vorliebe zum Feinstofflichen zugrunde.

Die Ausstellung ist noch bis 10. November 2017 zu sehen, MO – DO 8-17 Uhr / FR 8-13.30 Uhr.

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[1] Jutta Duschl in ihrer Einladung zur Vernissage FISCHE UND ANDERE FABELWESEN

[2] Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien, Stuttgart, 2014, Seite 7

[3] Vgl. Entdeckung der Kanarischen Inseln durch die Genueser im 13. Jahrhundert oder Columbus als einer der Grössten. Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien, Stuttgart, 2014, Seite 312

[4] Garten der Mediceischen Villa Careggi. Vgl. Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien, Stuttgart, 2014, Seite 318

[5] Cron. di Perugia,ähnliches schon bei Petrarca. Vgl. Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien, Stuttgart, 2014, Seite 321

[6] Vgl. Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien, Stuttgart, 2014, Seite 322

[7] Vgl. Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien, Stuttgart, 2014, Seite 324ff

[8] Vgl. Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien, Stuttgart, 2014, Seite 327

[9] Vgl. Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien, Stuttgart, 2014, Seite 329